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March for Science am 4. Mai 2019: Freie Wissenschaft durch mehr Dialogbereitschaft mit der Gesellschaft stärken

Bildquelle: March for Science Frankfurt

Am 4. Mai 2019 gingen zum dritten Mal in mehreren hundert Städten weltweit Menschen auf die Straße, um für die Bedeutung der Wissenschaft für offene und demokratische Gesellschaften und für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu demonstrieren. Der March for Science fand auch in Frankfurt am Main statt. Der Marsch von der Bockenheimer Warte zum Römerberg wurde mit einer Auftaktkundgebung eröffnet, bei der auch Thomas Jahn eine Ansprache hielt. Der Mitbegründer und Sprecher der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung plädierte darin für einen kritisch-konstruktiven Austausch der Wissenschaft mit der Gesellschaft.

Das ISOE unterstützte auch 2019 den Aufruf zum March for Science, denn die Gründe für diese internationale Bewegung haben nichts an ihrer Aktualität verloren: Wissenschaftsfeindliche Äußerungen und ein deutlich vernehmbares Knirschen im Verhältnis zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik sind symptomatisch für diese Zeit. Doch die Suche nach Lösungen für komplexe globale Probleme braucht – gerade in Krisenzeiten – eine unabhängige und kritische Wissenschaft und Forschung.

Um eine freie Wissenschaft zu stärken, müsse die Wissenschaft aber viel mehr Dialogbereitschaft aufbringen als bisher, forderte Thomas Jahn. „Die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, zu fragen und zu verstehen, was wir forschen, wie wir forschen und welche Ergebnisse gerade auch im Alltag relevant sind.“ Der Soziologe betonte in seiner Ansprache, es ginge ihm dabei um eine „demokratische Öffnung der Wissenschaft“ und einen „kritisch-konstruktiven Austausch mit der Gesellschaft“.

Akzeptanz der Wissenschaft fördern – „Nicht-Wissen“ thematisieren

Zielführend könne zum Beispiel die Teilhabe nicht wissenschaftlicher Akteure an der Erzeugung wissenschaftlichen Wissens sein, so Jahn. Er blickt mit dem ISOE auf 30 Jahre transdisziplinäre Forschung zurück, die genau dies forciert: eine Offenheit für gegenseitiges Lernen und für einen produktiven Umgang mit unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen von Wissenschaft und Gesellschaft.

Jahn appellierte an die Bereitschaft der Wissenschaft, auch offen über das zu reden, was sie nicht wisse. „Anstatt nur Forschungserfolge zu verkünden, müssen wir thematisieren, dass unsicheres Wissen und Nicht-Wissen zur Forschung dazugehört“. Es gelte, die Grenzen der Möglichkeiten, auf komplexe Probleme einfache Antworten zu finden, deutlich zur Sprache zu bringen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Ideologen die Besonderheit einer ‚aufklärenden‘ Wissenschaft, die ihre Ergebnisse selbst hinterfragt und mit Unsicherheit umgehen muss, funktionalisiert, indem sie die Offenheit und Unsicherheiten von Wissenschaft auf geradezu obszöne Weise in Fake News umdeuten“.

Um die Wirkung der gezielten Irritationen und Störungen der Populisten außer Kraft zu setzen, dürfe Wissenschaft gerade zu Anlässen wie dem March for Science nicht nur reflexhaft nach der Freiheit der Wissenschaft rufen, sagte Jahn. „Rufen wir doch besser nach einer Wissenschaft, die sich die Freiheit nimmt, sich konstruktiv mit der Gesellschaft und ihren kritischen Fragen auseinanderzusetzen“.

Die Veranstaltung „March for Science“ ist unabhängig und überparteilich. Alle Informationen zum Ablauf finden Sie hier.

Ansprache Dr. Thomas Jahn

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