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Aktuelle Einblicke in die Soziale Ökologie: Special Issue der Zeitschrift Sustainability erschienen

Die Soziale Ökologie hat in den letzten Jahrzehnten wichtige Beiträge zur Nachhaltigkeitsforschung geleistet. Als Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen wurde sie seit den späten 1980er-Jahren entwickelt. Heute gilt dieser Ansatz, der komplexe Umweltprobleme auf krisenhafte Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur zurückführt, als grundlegend für eine Forschung für nachhaltige Entwicklung. Die Sonderausgabe der renommierten internationalen Fachzeitschrift „Sustainability“ gibt nun erstmals einen umfassenden Einblick in den Stand der sozial-ökologischen Forschung.

Herausgeber der Sonderausgabe „Social Ecology. State of the Art and Future Prospects“ sind das Wiener Institut für Soziale Ökologie (SEC) an der Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Alpen-Adria-Universität und das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main. Die beiden Institute haben die Soziale Ökologie im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit beider Institute steht die Frage, wie die komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur theoretisch erfasst, empirisch untersucht und nachhaltig gestaltet werden können.

Zum aktuellen Stand der sozial-ökologischen Forschung gibt die Sonderausgabe des interdisziplinären Journals „Sustainability“ jetzt einen umfassenden Überblick. Die GastherausgeberInnen Johanna Kramm und Martin Zimmermann vom ISOE sowie Melanie Pichler und Anke Schaffartzik vom SEC haben elf Beiträge von 29 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Wien und Frankfurt zusammengetragen. Neben Artikeln zu den konzeptionellen und theoretischen Grundlagen der Sozialen Ökologie finden sich darunter auch Texte zu konkreten empirischen Fallstudien.

Die englischsprachigen, im Peer-Review-Verfahren begutachteten Aufsätze beschäftigen sich unter anderem mit der Rolle der Sozialen Ökologie als kritische, transdisziplinäre Wissenschaft, mit den gegenwärtigen Herausforderungen für sozial-ökologische Transformationen und mit Ökosystemleistungen als eines der Schlüsselkonzepte der Nachhaltigkeitsforschung. Auch Risiken im Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser werden thematisiert.

Soziale Ökologie als Schlüssel für die Nachhaltigkeitsforschung

Entstanden ist die Soziale Ökologie in den 1980er-Jahren aus der kritischen Perspektive auf die stark technikorientierte und naturwissenschaftlich geprägte Umweltforschung. Diese erwies sich – spätestens mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 – als zu begrenzt, um komplexe Umweltprobleme adäquat zu erfassen. „Mit ihrem gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz war die Soziale Ökologie von Anfang an nicht etwa ein Gegenentwurf zum klassischen Wissenschaftsverständnis, sondern eine Erweiterung, um die enge Sichtweise der Natur- und Ingenieurswissenschaften zu überwinden“, sagt Thomas Jahn, Sprecher der Institutsleitung des ISOE. Heute gelten die sozial-ökologischen Erklärungsmodelle für die Beziehungsmuster von Gesellschaft und Natur als wissenschaftlich etabliert und als grundlegend, um Transformationsprozesse zu verstehen und zu gestalten.

„Die gegenwärtigen sozial-ökologischen Krisen wie die Folgen des Klimawandels oder der Verlust an Artenvielfalt zeigen, wie dringend die Soziale Ökologie gebraucht wird“, sagt Thomas Jahn. „Um Wege in eine nachhaltige Entwicklung zu gestalten, müssen wir verstehen, welche Rolle der Faktor Mensch bei der Entstehung dieser Krisen spielt.“ Die Soziale Ökologie sei ein Schlüssel für die Nachhaltigkeitsforschung, um krisenhafte Beziehungen zu verstehen, zu bewerten und zu gestalten. „Wir freuen uns deshalb, dass wir mit dem Special Issue zur Sozialen Ökologie unsere langjährigen Forschungsansätze und Erkenntnisse am ISOE gemeinsam mit denen der Kolleginnen und Kollegen in Wien einem breiten wissenschaftlichen Publikum vorstellen können,“ sagt Thomas Jahn.

Die Sustainability-Sonderausgabe “Social Ecology. State of the Art and Future Prospects” steht als Open-Access-Edition zur Verfügung.

www.mdpi.com/journal/sustainability/special_issues/social_ecology