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Umweltproblem Plastikmüll erfordert gesamtgesellschaftliche Lösungen

Zukunftsforum Ecornet zum Umweltproblem Plastikmüll (Foto: Ecornet, vlnr: Benedikt Kauertz, Dr. Isabell Schmidt, Judith Skudelny, Sylvia Kotting-Uhl, Dr. Carolin Völker, Dr. Thomas Jahn)

Das Thema Plastikmüll ist komplex. Die vielseitige Verwendung von Kunststoffen und der zunehmende Konsum haben in den letzten Jahren zu einem Müllaufkommen geführt, das kaum noch zu bewältigen ist. Trotzdem steigt das Verpackungsaufkommen, nicht nur in Deutschland, weiterhin an. Wie mögliche Lösungsansätze aussehen und wie die Verantwortung für dieses Problem verteilt sein muss, darüber diskutierten am 26. Juni Vertreter/innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim zweiten ZUKUNFTSFORUM ECORNET in Berlin.

Die Plastikmüllberge werden kontinuierlich höher, doch praktikable Lösungen sind nicht in Sicht. Bei der gemeinsamen Veranstaltung der beiden Ecornet-Institute ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg wurde deshalb versucht, etwas Übersicht zu schaffen über die lokalen, regionalen, nationalen wie internationalen Zusammenhänge dieses Umweltproblems. Dabei wurde deutlich: Auch wenn sich die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zukunftsforums Ecornet nicht auf die „eine“ Strategie einigen konnten – Konsens gab es zumindest darüber, dass der Blick auf einzelne Akteure nur bedingt weiterhilft. Vielmehr sind Politik, Hersteller, Handel und Verbraucher/innen gemeinsam in der Verantwortung.

Die Umweltauswirkungen des hohen Plastikkonsums

Wie gravierend die weltweiten ökologischen Auswirkungen von Plastikmüll sind, zeigte Dr. Carolin Völker vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung zum Auftakt der Veranstaltung in ihrem Vortrag. Der Großteil aller Kunststoffabfälle gehe dabei auf Lebensmittelverpackungen zurück. Zwar müsse Abfallvermeidung das oberste Ziel sein, um Umweltauswirkungen zu verringern. Ein zu enger Fokus auf Plastikvermeidung erzeuge aber andere Umweltprobleme. Hierbei hoffe sie auf eine stärkere politische Steuerung.

In seinem Vortrag zu Zielkonflikten der Plastikvermeidung machte Benedikt Kauertz vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung deutlich, wie vielschichtig das Problem ist. Konsument/innen stiegen zwar vermehrt auf alternative Produkte um. Allerdings zeige sich am Beispiel von Glaseinweg und Metalldosen, dass dies nicht zwangsläufig die Ökobilanz verbessere. Auch dürfe der Nutzen von Verpackungen (Stichwort Haltbarkeit) nicht übersehen werden.

Plastikmüll: Bessere Entsorgung oder Vermeidung?

Welche verschiedenen Lösungsansätze existieren, zeigte sich bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Judith Skudelny plädierte für eine verbesserte Entsorgung und Kreislaufwirtschaft, damit Plastik nicht weiter in die Umwelt gelange. Eine wichtige Frage sei zudem, ob wir nicht unsere Lebensweise umstellen müssten. Hier nahm sie explizit die Verbraucherseite in die Pflicht, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende im Umweltausschuss des Bundestags, plädierte für einen suffizienteren Umgang mit Plastik.

Oberstes Ziel müsse demnach die Vermeidung von Plastik sein. Hersteller und Handel dürften sich dabei nicht aus der Verantwortung ziehen. Darüber hinaus brauche es aber eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Lebensqualität, beispielsweise im Bereich Konsum. Plastik werde vor allem dann zum Problem, wenn es in die Umwelt gelangt, meinte hingegen Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Ein zu enger Fokus auf Plastikvermeidung könne aber dazu führen, dass andere Substitutionswirkungen entstünden. Sie gab daher die Devise aus, Produkte so wenig zu verpacken wie möglich, aber so viel wie nötig.

Aus dem Publikum wurden wiederholt eine gerechte Warenbepreisung und die Verbesserung des Recyclingpotenzials als ernst zu nehmende Lösungsansätze gefordert. Zudem zeigte sich, dass Verbraucherinnen und Verbraucher verstärkt eine wirksamere Politik wünschen, die Hersteller und Handel dazu bringt, nachhaltige Angebote zu schaffen. Das könnte die Hürden für ökologisch-nachhaltiges Handeln im Alltag herabsetzen.

Die Moderation des Abends übernahm Dr. Thomas Jahn vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung.

Weitere Infos:

Programm
Präsentation "KSV: Mehr als ein Umweltproblem" (Dr. Carolin Völker, ISOE)
Präsentation "Zielkonflikte der Plastikvermeidung" (Benedikt Kauertz, ifeu)

 

 

 

 

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Roy Schwichtenberg
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