Temporäre Kohlenstoffeinheiten in der Kohlenstofflandwirtschaft und der EU-Agrar- und Ernährungsklimapolitik

19.11.2025 | Ecologic Institut

Kohlenstofflandwirtschaft und neue EU-Klimapolitiken müssen so gestaltet werden, dass Umweltstandards gewahrt bleiben. Ecologic Institut und Öko-Institut zeigen zentrale Chancen, Risiken und politische Optionen auf.

Geplante EU-Politikinstrumente – darunter ein mögliches Emissionshandelssystem für die Landwirtschaft (AgETS), verpflichtende Klimastandards (MCS) und Programme der öffentlichen Beschaffung – sollen Maßnahmen der Kohlenstofflandwirtschaft integrieren. Die Analyse beleuchtet die Verknüpfung dieser Instrumente mit dem EU-Rahmen für Kohlenstoffentnahme (CRCF) und prüft alternative Ansätze für eine klimafreundliche Landwirtschaft.

Kohlenstofflandwirtschaft: Potenziale und Risiken

Maßnahmen wie Humusaufbau, Agroforst oder die Wiedervernässung von Mooren binden Kohlenstoff und fördern Biodiversität, ihre Klimawirkung ist jedoch oft nur temporär. Schwächen der aktuellen CRCF-Zertifizierung können zur Entstehung minderwertiger Einheiten führen, die Klimaschutz verwässern. Ohne klare Haftungsregeln, robuste Standards und zuverlässige Prüfungen werden Klimavorteile schnell überschätzt.

Kompensationsrisiken vermeiden

Für neue marktbasierten Klimapolitiken wie ein AgETS stellt sich die Frage, ob temporäre CRCF-Einheiten eingesetzt werden sollten. Die Analyse deutet darauf hin, dass ihr Einsatz als Kompensation die Wirksamkeit solcher Politiken vermutlich schwächen würde. Stattdessen sollten sie ausschließlich in beitragsbasierten Ansätzen genutzt werden, die gezielt Finanzierung in die Kohlenstofflandwirtschaft lenken – ohne Emissionsminderungen an anderer Stelle anzurechnen. Auch ein Beschaffungsprogramm kann Mehrwert schaffen, sofern auf Kompensationsansprüche verzichtet wird.

Zusammenspiel mit der GAP

Die Überschneidung von CRCF und Gemeinsamer Agrarpolitik (GAP) birgt Risiken wie Doppelfinanzierung und fehlende Zusätzlichkeit, was die Glaubwürdigkeit der EU-Klimapolitik beeinträchtigen kann. Die Analyse zeigt verschiedene Modelle für ein besseres Zusammenspiel, darunter hybride Ansätze, die die Planungssicherheit der GAP mit leistungsorientierten Anreizen der CRCF verbinden. Voraussetzung sind klare rechtliche und administrative Schutzmechanismen.
Aktivitätsbasierte Zahlungen werden als besonders geeigneter Ansatz hervorgehoben. Sie vergüten konkrete klimafreundliche Maßnahmen, sind einfach umzusetzen und passen gut zu zeitlich begrenzten Aktivitäten der Kohlenstofflandwirtschaft. Mit Blick auf die GAP-Reform nach 2027 zeigt die Analyse, wie diese Zahlungen innerhalb und außerhalb der GAP gestärkt werden können.


Weitere Informationen und Downloads

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Ansprechpartner am Ecologic Institut

Hugh McDonald
E-Mail: hugh.mcdonald@ecologic.eu 


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