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25 Jahre ISOE: Lost in the Anthropocene? Nachhaltige Wissenschaft in der Epoche der Menschheit

Die Menschheit formt die Natur in einem Ausmaß, dass nicht mehr nur natürliche, sondern maßgeblich gesellschaftliche Prozesse die treibende Kraft auf der Erde sind – so lautet die These vom Anthropozän. Geowissenschaftler diskutieren schon seit Längerem, ob deshalb ein Epochenwechsel ins „Menschenzeitalter“ anstehe. Was bedeutet die neue Zeitdiagnose für die Wissenschaft, was für den Nachhaltigkeitsdiskurs? Das ISOE widmet diesen Fragen seine Tagung zum 25-jähren Bestehen.

Noch ist unklar, ob die ursprünglich von Nobelpreisträger Paul Crutzen in die Debatte gebrachte Idee von einem neuen Zeitalter offiziell bestätigt werden wird. Bis 2016 sammeln Geologen noch Indizien. Doch unabhängig davon, ob die Erdgeschichtsbücher tatsächlich umgeschrieben werden müssen: Die Idee vom Anthropozän ist in der Welt, und es spricht wenig dafür, dass die Menschheit freiwillig in einen Zustand zurückkehren wird, in dem sie keine dominierende geophysikalische und epochenprägende Kraft mehr auf dem Planeten Erde ist.

Welches Potenzial steckt in der nicht ganz neuen, aber immer breiter diskutierten Vorstellung, dass Gesellschaft und Natur so eng miteinander verwoben sind, dass sie nicht mehr unabhängig voneinander verstanden werden können? Weckt das Bild von der Menschheit als geologischer Kraft Katastrophenängste oder fördert es gefährliche Macht und Kontrollfantasien? „Auf die alles andere als banale Frage nach Orientierung im Spannungsfeld von Wissen und Unsicherheit deutet der Titel unser Tagung ‚Lost in the Anthropocene?‘ hin“, sagt Thomas Jahn, Mitbegründer und Sprecher der Institutsleitung des ISOE.

Welche Konsequenzen hat die Zeitdiagnose vom Anthropozän für das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft? Beeinflusst sie das Verhältnis von Natur- und Sozialwissenschaften? Müssen Forschungsfragen neu gestellt werden? Und wie verändert das den Nachhaltigkeitsdiskurs? Die Jubiläumstagung des ISOE lädt zur Diskussion darüber ein.

Freitag, 21. November 2014 von 10.00–17.00 Uhr im Museum Angewandte Kunst (MAK), Frankfurt am Main

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