Ecornet

IÖW/VÖW-Jubiläumskonferenz: Wie Unternehmen Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft machen

Zum Abschluss wurde diskutiert, wie der Ansatz transformativer Unternehmen in der Praxis fruchten kann. Es diskutierten (v. l. n. r.) Ulrich Petschow, IÖW; Heinz Fuchs, Brot für die Welt; Dr. Hans W. Steisslinger, Terra Institute; Thomas Korbun, IÖW; D

Diskussion: Wie kann der Ansatz transformativer Unternehmen in der Breite der Wirschaft fruchten? (Foto: Gordon Welters / IÖW)

Auf der Konferenz „Kern-Geschäfte – Wie Unternehmen sozial-ökologischen Wandel gestalten können“ diskutierten am 3. November 2015 in Berlin rund 180 Teilnehmende aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, welche Rolle Unternehmen einnehmen können und sollten, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Das Institut und die Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung hatten anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums zu der Veranstaltung eingeladen. Vor Ort stellte das IÖW Thesen vor, wie Unternehmen eine sozial-ökologische Transformation mitgestalten können: So können sie etwa durch innovative Produkte oder Dienstleistungen Branchen nachhaltig verändern, durch eine aktive Gestaltung ihrer Lieferketten auch global Verantwortung übernehmen oder mit neuen Kooperationskulturen Partnerschaften für den Wandel eingehen.

Bisherige Konzepte nachhaltiger Unternehmensführung greifen zu kurz

„Die Debatten über den Umgang mit dem fortschreitenden Klimawandel, dem Verlust an Artenvielfalt und der Verknappung von Ressourcen werden bislang zu wenig mit Unternehmen geführt“, so der wissenschaftliche Geschäftsführer des Instituts und Ecornet-Sprecher Thomas Korbun. „Dabei liegen die Lösungen für viele dieser Probleme auch im unternehmerischen Handeln“, ergänzte IÖW-Unternehmensforscherin Heike Mewes. „Was bisher im Bereich nachhaltiger Unternehmensführung unternommen wird, reicht nicht aus. Es muss darum gehen, Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der Unternehmen zu verankern sowie neue und visionäre Vorstellungen davon zu entwickeln, was Zweck, Ziele und Handlungsweisen nachhaltiger Unternehmen sind.“

Lieferketten managen, Märkte transformieren

Das Management ihrer Lieferketten stellt für viele Unternehmen einen bedeutenden Hebel dar, sozial-ökologischen Wandel in der Wirtschaft zu unterstützen. Wie Unternehmen hier Verantwortung übernehmen können, zeigte zum Beispiel das Unternehmen Fairphone. Um einen systemischen Wandel in der Herstellung von Smartphones zu erreichen, setzt Fairphone auf eine nachhaltige Rohstoffgewinnung, Fertigung, Life-Cycle-Gestaltung und Produktdesign. Gemeinsam mit seinen Kunden will das Unternehmen die Herstellung und den Konsum seines Produktes nachhaltiger gestalten.

Nachhaltige Kooperationskulturen

Andere Unternehmen weiten aktiv ihre Kooperationen aus, um Nachhaltigkeit in ihrem Umfeld zu fördern. Hierbei arbeiten sie auch mit Nichtregierungsorganisationen zusammen. Anhand von Fallbeispielen zeigte etwa der WWF, der gemeinsam mit großen Handelsketten an der Verbreitung nachhaltiger Produkte arbeitet, wie strategische Kooperationen von Unternehmen und NGO’s gestaltet sein sollten, um tatsächliche Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit zu erzielen.

Viele Erwartungen liegen in einer nachhaltigkeitsorientierten Gründungskultur

Zwar wurde viel darüber diskutiert, dass und wie sich bestehende Unternehmen verändern müssen. Doch gab es auch ein starkes Plädoyer dafür, die Chancen neuer nachhaltiger Geschäftsmodelle stärker zu nutzen, indem eine Gründungskultur geschaffen und gefördert wird, die sich am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung orientiert. So bezeichnete etwa der Innovations- und Nachhaltigkeitsforscher Klaus Fichter, der früher das Forschungsfeld Ökologische Unternehmenspolitik am IÖW leitete, Start-Ups als „Schlüsselakteure des transformativen Wandels“.

30 Jahre ökologische Wirtschaftsforschung

Das IÖW wurde 1985 in Berlin gegründet mit dem Ziel, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Antworten auf drängende ökologische und soziale Herausforderungen zu entwickeln. In zahlreichen Forschungs- und Beratungsprojekten arbeitet das Institut mit seinen rund 45 Mitarbeiter/innen an Strategien und Handlungsansätze für ein zukunftsfähiges Wirtschaften – für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und die natürlichen Grundlagen erhält. Das Institut arbeitet gemeinnützig und ohne öffentliche Grundförderung. Seit 25 Jahren unterhält das IÖW auch ein Büro in Heidelberg.

Mit seinen Konferenzen greift das Institut regelmäßig aktuelle Trends des nachhaltigen Wirtschaftens auf. Die Tagungen bringen Visionäre aus Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um über die Zukunft des Wirtschaftens und Lebens zu diskutieren. Die Jubiläumskonferenz schließt an die Tagungen „Geschäftsmodell Nachhaltigkeit – Wirtschaft und Wirtschaftsförderung in der Transformation“ (November 2013), „Was bewegt? – Von sozial-ökologischen Experimenten in den Alltag“ (März 2012) und „Transformationen – Auswege aus der Wachstums- und Klimakrise“ (September 2010) an.

Mehr zu 30 Jahren IÖW: www.ideen-die-fruchten.net